Roberto Saviano im TV - Eine lebende Legende
Am Montag abend lief die zweite Folge der TV-Show "Vieni via con me", was soviel heisst wie "komm weg mit mir". Der Moderator ist Fabio Fazi, bekannt in Italien, keine "Leuchtfigur", der ideale Interview-Journalist, da er selbst durch seine Persönlichkeit kaum auffällt. Und das ist auch gut so, denn der eigentliche Hauptakteur ist Roberto Saviano, eine neapolitanischer Schriftsteller der durch das Buch "Gomorrah" nahezu weltberühmt wurde. Allerdings veränderte sich sein Leben nicht nur zum positiven, im Gegenteil. Seit Saviano über die neapolitanische Mafia, die Camorra, berichtet hat, und vor allem seitdem er in seinem Buch darüber berichtet hat, dass er sich in die von einem verhafteten Mafia-Boss verlassene Villa geschlichen hat und in dessen edlen Zierbrunnen uriniert hat, steht er unter Lebensgefahr.
Seit nun zwei Wochen hat Saviano eben auch seine eigene TV-Show. Es ist kein trockener Polit-Talk wie man in Deutschland vielleicht aus "Hart aber Fair" oder "Sabine Christiansen" kennt und kannte. Es ist eine wirkliche Show mit eingeladenen Gästen aus dem Showbusiness die dort auftreten, Sänger und Komiker. Manch einem mag das abstrakt vorkommen, aber es handelt sich um ein perfekt ausgedachtes System. Den die meisten Fernsehzuschauer würden bei einer langweiligen Vortragsrunde abschalten oder das Fernsehen maximal als Nebenbeimedium laufen lassen.
Genau das verhindern Saviano und Fazi natürlich durch die Aufmachung von "vieni via con me". Immer wieder tritt Saviano auf und hält einen Monologvortrag, so z.B. am vergangenen Montag über die Auswüchse der calabresischen N´drangheta im italienischen Norden, vor allem in der Region von Mailand.
Natürlich stösst Saviano hier auch immer wieder unangenehme Türen auf. So hat er z.B. auch verbindungen der Mafia zur sonst immer so Mafia-feindlichen "LEGA Nord" - Partei veröffentlicht. Drohungen laufen bereits, Saviano solle angezeigt werden. Er selbst sagt aber, er habe sich nur auf polizeiliche Untersuchungsberichte gestützt.
Besonders erschütternd war sein Bericht über einen Mann, der sich nach langem Kampf gegen eine Muskelkrankheit, die ihn am Ende in die eiserne Lunge zwang, für das abschalten der Geräte entschied. Die katholische Kirche verweigerte ihm daraufhin eine Bestattung nach katholischem Ritus auf einem katholischen Friedhof, da das verhalten des Mannes nicht den katholischen Grundsätzen entspreche.
Saviano zeigte danach katholische Gräber von nachweislichen Mafiosi die mehrere Morde auf dem gewissen hatten.
Alles in allem ist Saviano absolut zu bewundern, meiner Ansicht nach ist er eine lebende Legende. Er hat sein Leben dem Kampf gegen die Mafia gewidmet, wohlwissend dass ihm dies einen frühzeitigen Tod bescheren könnte. Und selbst wenn nicht, ein Leben in ständiger Angst, ein ewiges Versteckspiel mit der Mafia und der Verzicht auf die kleinen Dinge des Alltages, die wir "normalsterblichen" als selbstverständlich ansehen: Ein Sparziergang im Park, ein Einkaufsbummel oder eine gepflegte Kneippentour.