Der Kalabrien-Bluff - Teil V - Letzter Teil

Veröffentlicht auf von Caputo

Dann allerdings kam schliesslich eine Rückmeldung. Die "böse" Schwester sei krank, und bleibe daher bis Freitag. Irgendwie war es uns allen schon klar, dass hier etwas mehr als faul war, doch nun wollten wir die Gelegenheit nutzen, uns Gewissheit zu verschaffen. Vor allem der letzte Satz der Handy-Kurznachricht brachte das Fass zum überlaufen: Wie es uns denn dort wo wir nun seien gefalle?
Ich bat meine Freundin, zur Schwester zu gehen, um sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Einfach nur ein kurzes "Wie geht´s?" sollte alleine zumindest diese Frage klären. Gesagt getan. Und was dann als Antwort von der Schwester kam, war eigentlich wenig verblüffend. Es ging ihr natürlich bestens, putzmunter saß sie auf der Terrasse, und als ihr meine Freundin nun einmal unsere "Version" der Geschichte erzählte, war auch sie verblüfft. Von diesem Abkommen habe sie nie etwas gewusst, es sei von Anfang an geplant gewesen, dass sie mit ihrem Freund die gesamte Woche in der Wohnung ihrer Eltern verbringe. Es tat ihr zwar leid, aber viel für uns tun könne sie auch nicht. Verständlich, und wir hatten dies ja auch nicht erwartet. In gewisser Weise waren wir wohl frustriert, aber zugleich auch ein wenig froh über diese Klarheit. Natürlich etwas spät, am Mittwoch morgen, drei Tage vor unserer Abreise. Ein Umbuchen oder gar ein Suchen nach einem anderen Feriendomizil hätte uns mit Sicherheit einen ganzen Tag unseres ohnehin relativ kurzen Urlaubes gekostet. Fassungslos gingen wir zum Strand, mit dem guten Vorsatz, der wohl auch Titelthema des Urlaubes sein hätte können, einfach "das beste daraus zu machen".

Am Nachmittag entschlossen wir uns dann, vom Meeresstrand an den Pool zu wechseln. Dies war eine nette Möglichkeit, nicht den ganzen Tag wie ein Spiegelei in der Sonne zu bruzeln.
Noch ein kurzer Cafe an der Hotelbar mit meinem Freund und dann sollte es ab zum Pool gehen. Die wirklich freundliche Hotelwirtin sprach uns kurz an und meinte fast etwas mitleidig, dass unser Urlaub ja nun schon zu Ende gehe. Ich meinte, dass dies doch gerade mal, positiv betrachtet, die Halbzeit sei. Auf ihre Nachfrage, ob wir unseren Urlaub noch in irgeneiner Form fortsetzen wollen, in Kalabrien oder anderswo, meinte ich, dass wir dies eigentlich in ihrer Hotelanlage tun wollten. Und zwar bis Samstag. Und nun kam quasi Teil 2 des Bluffs: Sie eröffnete uns, dass unsere "Freundin" doch nur bis Donnerstag für uns reserviert habe! Sie habe sich zwar selbst noch gewundert, aber im sie habe ihr wohl erklärt, dies sei so, "die" (also wir) müssten dann wieder zurück. Und dies erklärte dann auch, warum genau der Preis von 250 €, der uns ja versprochen wurde seit Monaten, nun auch hier möglich war.
So kam es dann, dass wir schliesslich zwar das Glück hatten, dass unser Zimmer nicht bereits schon anderweitig verbucht war, wir aber 100 € mehr zahlen mussten!

Tja, liebe Leser, so war dass nun, und nun, wo ich all dies niedergeschrieben habe, muss ich selbst noch einmal mit dem Kopf schütteln, über so viel Dreistigkeit. Vielleicht hätten wir beriets vorher merken sollen, dass mit unserer tollen Bekanntschaft etwas nicht stimmt. M. hat sich übrigens bei uns nicht mehr gemeldet. Auch auf unsere Nachfrage hin, was denn nun mit den 100 € zuviel passieren sollte, herrscht bis heute Funkstille.

Ein bisschen komme ich mir vorher wie so ein dummer Tourist der von einer betrügerischen Reisegesellschaft gelinkt wurde, aber wer erwartet so etwas schliesslich von "Freunden", oder zumindest guten Bekannten?
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