Saviano und das Müllproblem von Neapel
Auch gestern lief wieder eine Folge von "vieni via con me" mit dem bekannten Journalisten und Schriftsteller Roberto Saviano, berühmt für seine Werke gegen die Mafia im allgemeinen und die Camorra im besonderen.
Gestern nahm er sich eines besonders brisanten Themas an: Dem Müllproblem von Neapel. Warum türmen sich dort in den Strassen die Müllberge seit Jahren und jede Lösung jedweder Regierung ist immer nur ein kurzfristiger "Erfolg", wenn man davon überhaupt sprechen kann?
Im Ausland heisst es natürlich oft "die Italiener sind so!"; im italienischen Norden heisst es schnell "das ist typisch für die im Süden, dreckig und schmutzig!" Dabei sollten gerade letztere gut aufgepasst haben, was Saviano zu erzählen hatte.
Tatsächlich ist nämlich ein großteil des "neapolitanischen" Mülls gar nicht hausgemacht, sondern wird vom Norden dorthin transportiert. Und vor allem der giftige Müll, der "Sondermüll". Wie das System funktioniert, warum die Mafia gut daran verdient und warum die Menschen mit gewaltätigen Blockaden die Müllwagen aufhalten, die auf die Deponien fahren wollen, hat Saviano sehr gut erklärt.
Alles beginnt mit dem Sondermüll der Firmen aus dem Norden, der ja nicht wenig an Entsorgung kostet. Es ist ja ohnehin ärgerlich, dass man dafür, dass man etwas wegwirft, auch noch zahlen soll. Hier kommt die Camorra ins Spiel: Sie bietet an, den Müll für ein zehntel des üblichen Preises zu entsorgen. Für die Firmen natürlich ein großartiges, kaum ausschlagbares Angebot. Der Müll wird dann nach Neapel transportiert. Dann kommt es dazu, dass die Ladungspapiere verändert werden. Am Schluss hat ein Laster voller Sondermüll also offiziell und in den Frachtpapieren stehend ganz normalen Hausmüll geladen. Dieser kann natürlich dann auch wesentlich kostengünstiger entsorgt werden.
Wohin nun aber mit all dem Müll, denn die Deponien sind ja voll? Die Lösung ist so einfach wie erschreckend: überllhin! Der müll wird in jedes Loch, das sich auftut, gestopft. Er wird vermischt mit Hausbaumaterial und dann für die Gebäudekonstruktion verwendet! Er wird in verlassene Schächte und Höhlen gestopft! 3 Schulen wurden mit toxischem Müll gebaut! Er wird in Feldern vergraben, auf denen später Obst und Gemüse wachsen!
Der Müll wird am Ende überall versteckt, wo sich ein Loch auftut.
Warum lassen Bauern den Müll in ihren Feldern vergraben? Ganz einfach, die großen Supermarktketten im Norden drohten den süditalienischen Bauern, Obst und Gemüse billiger im Ausland zu kaufen, wenn die Preise nicht sinken würden. Um einen ausweg zu finden, nahmen viele natürlich das Angebot an, um so doch noch auf ihre Kosten zu kommen.
Eine traurige Geschichte, die schon seit 16 Jahren läuft.
Übrigens: Silvio Berlusconi hat in seinen verschiedenen Amtszeiten in den letzten 4 Jahren bereits 7 mal angekündigt, das Müllproblem ein für allemal zu lösen.