San Silvestro a Milano

Veröffentlicht auf von Caputo

Zu unserem ersten Sylvester-Fest in Mailand stand für uns eigentlich schon vor dem Umzug fest: Um Mitternacht sind wir am Dom!

Zwar haben uns einige Kollegen bereits im Vorfeld nicht gerade ermutigende Geschichten von Ihren Sylvester-Erlebnisen am Duomo erzählt, aber die eigenen Erfahrungen sind halt doch immer die wertvollsten.
So zogen wir denn nach dem üppigen Abendessen los, und es fuhr sogar eine Straßenbahn pünktlich, welche uns direkt zum Duomo di Milano brachte. Circa um 23:10 Uhr trafen wir dort ein, und der erste Eindruck den ich hatte war, dass ich nicht in Mailand, sondern am Gaza-Streifen ausgestiegen sein muss. Es krachte ohne Ende, und es war kaum vorstellbar, dass dies um 12 Uhr selbst noch übertroffen werden konnte.
Der Platz vor dem Dom war bereits in Rauchschwaden gehüllt, und manche Knallkörper liesen zumindest
Wehrpflichterfahrene eher an Handgranaten erinnern, als an ein friedliches Neujahrs-Geballer.

Wer noch an der Geschäftstüchtigkeit der in Italien ansässigen Einwanderer zweifelte, der wurde spätestens hier eines besseren belehrt:
Wer sonst sein täglich Brot mit dem Verkauf von Handtaschen und Gürteln verdiente, stand heute da mit
importierten Sylvesterkrachern und Sektflaschen inklusive Bechern! An alles war gedacht.
Als wir uns schliesslich einen einigermaßen gemütlichen Unterschlupf gesucht hatten, ging der Spaß erst richtig los. Der größte Spaß einiger Grüppchen Männer in jüngeren Jahren schien es zu sein, Kracher zwischen die Beine anderer Passanten zu werfen! Das war dann auch das, wovor uns andere bereits gewarnt hatten.
Aber eines muss an dieser Stelle wirklich eindeutig gesagt werden: Es handelte sich bei diesen Gruppen ausschliesslich um die sogenannten "Extra-Communitari", also Einwanderer, welche aus nicht EU-Staaten kommen. Wann immer auch den Italienern und den Mailändern im Besonderen Rasissmus vorgeworfen wird, so hatte von uns an jenem Abend wirklich jeder Verständnis für die Abneigung, welche die Mailänder ihren "ausländischen Mitbürgern" gegenüber verspüren.
Dies hat auch nichts mehr mit Mulit-Kulti Gesellschaft zu tun. Dieses, dezent ausgedrückte, Fehl-Verhalten der Maroccini, Pakistani oder anderer Gruppen von Nicht-EU ausländern ist auch im täglichen Leben immer wieder zu beobachten.
Leider führt dies immer wieder zu Aktionen, welche natürlich nicht nur für Aussenstehende als intolerierbar gelten. So hat sich z.B. vor einigen Tagen ein Taxifahrer in der Nähe der Stazione Centrale (Hauptbahnhof) von Mailand geweigert, zwei Schwarz-Afrikaner, welche vollkommen legal hier waren und auch Geld für die Fahrt nach Monza hatten, welche sie antretten wollten, mitzunehmen. Im Gegenteil hat der, wie sich nachhinein herausgestellt hat, auf Koks gewesene, Taxifahrer einen der beiden überfahren.
Wie gesagt, dies ist nicht tolerierbar und auch nicht schönzureden. Aber die Art, wie sich viele Ausländer hier dem Land gegenüber, welches ihnen Asyl gewährt, verhalten, erklärt vielleicht, warum nach solch einer Tat kein großer Aufschrei des Entsetzens durch das Land geht.
Ich habe selbst in Deutschland viel Fremdenhass erlebt (nicht an der eigenen Haut!), den ich nicht nachvollziehen konnte, aber dass hier ist einfach etwas anderes.

Nun gut, das war Sylvester, alles in allem ganz lustig, und die Kopfschmerzen sind auch so langsam wieder weg.

Ich wünsche allen ein Gutes Neues Jahr 2009! Buon Anno.

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