Ausländer in Mailand
Als Ausländer in Mailand fühlt man sich als Europäer, wenn man zumindest eineige Zeit hier verbracht hat, eigentlich nicht wirklich. Der Mailänder unterscheidet prinzipiell zwischen Comunitari und Extra-Comunitari, also Menschen aus Europa und ausserhalb.
Letztere gibt ja hier in Hülle und Fülle, ob Asiaten, Araber, Pakistani, Inder oder Afrikaner.
Sie füllen teilweise ganze Viertel und verleihen ihnen einen eigenen Flair, wie z.B. ChinaTown.
Ob man dies nun gut oder schlecht finden mag, bleibt jedem selbst überlassen.
Natürlich ist man auch als deutscher oder franzose fremd, aber man gehört wenigstens zur Gemeinschaft.
Das Verhältnis zu den Extra-Comunitari ist relativ zwiespältig.
Viele Verbrechen, die hier begangen werden, gehen zumindest laut Presse auf das Konto von Ausländern.
Ob dies nun auch ein wenig gewollt so hochstilisiert ist oder den Tatsachen entspricht, lässt sich schwer sagen.
In einer Eisenwarenhandlung bekam ich vor einiger Zeit eine interessante Unterhaltung mit, welche verdeutlichte, wie zwiespältig dieses Verhältnis ist. Eine älter Frau um die Ende 50/anfang 60 teilte im Gespräch mit, dass sie jetzt von Mailand wegziehe, da es ihr zu viel Ausländerfeindlichkeit gäbe.
Der Verkäufer, ebenfalls ein älterer Herr, versuchte ihr klarzumachen, dass diese durchaus begründet ist. Er konnte auch direkt ein Beispiel aus seinem Alltag, bei welchem eine Gruppe Ausländer ihn abgelenkt und gleichzeitig einen Rucksack vollgepackt habe, bringen.
Die gerufene Polizei konnte ihm gelinde gesagt nicht wirklich weiterhelfen.
Auch ein Kunde schaltete sich sofort in die Diskussion mit ein und stellte sich auf die Seite des Verkäufers, so dass die Dame mit ihrer Meinung schnell alleine da stand.
Keine einfache Situation.